Wie wir unser Selbst bewerten

Um etwas zu bewerten, benötigen wir eine Bewertungsskala, ein Notensystem oder ähnliches, um zu vergleichen, einzuordnen oder zu messen. Das ist so in der Schule, an der Uni, im Berufsleben, im Sport und auch bei der Bewertung unseres Selbst. Nicht immer sind die Bewertungsmaßstäbe so transparent, wie bei einem 100 Meter-Lauf; denn dort zeigt die Zeit eindeutig, wer der oder die Beste ist. Sobald die Leistung nicht mit Zeit, Weite, Höhe, Gewicht oder ähnlichem gemessen werden kann, wird es schwierig. 

 

Wie sieht die Bewertungsskala für den Selbstwert aus?

Wir vergleichen unser "wie bin ich" mit unseren Vorstellungen von "wie soll ich sein". Denn jeder von uns hat - bewusst oder unbewusst - ein sehr individuelles Bild davon, wie er oder sie sein sollte. Dieses Bild von unserem "Soll-Zustand" ist entstanden durch Vorbilder (insbesondere die Eltern), Erziehung, Regeln, Religion und Tradition, Gesetze, persönliche Erfahrungen, Feedback, Kritik, Werbung und in den letzten Jahren auch durch Influencer.

 

Wäre es nicht sinnvoll, sich von allen "Du sollst..." zu lösen?

Ein ganz klares nein! Denn diese individuelle Erwartung, wie wir sein sollen, macht ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft erst möglich. Denn es ist unser Navigationsgerät, um in einer Beziehung, einer Gesellschaft zurechtzukommen, unser Auskommen zu haben und gesund zu bleiben. Was können wir also tun? 

 

Wir müssen reflektieren, ob unsere Bewertungskriterien sich mit unserem "Wie will ich sein?" decken.

Viele der Kriterien unserer Bewertungsskala haben sich klammheimlich in unser Gehirn, meist in unser Unterbewusstsein geschlichen. Wenn unsere Eltern und Geschwister alle sehr sportlich sind, werden wir uns als Couch Potatoe vermutlich schlecht fühlen; selbst dann, wenn uns nie jemand aufgefordert hat, sportlicher zu sein. Wenn alle unsere Freunde studiert, wir selbst aber eine Ausbildung absolviert haben, entsteht leicht das Gefühl in uns, dass wir nicht gut genug sind; auch ohne dass irgendjemand etwas zu unserer Ausbildung sagt und ohne dass uns dies immer bewusst ist. Unser "du sollst..." an unserem Umfeld fest, an unseren Vorbildern und vielem mehr. 

 

Es ist also sinnvoll, sich die drei Fragen zu beantworten: Wie soll ich sein? Wie bin ich? Wie will ich sein?

Überprüfe deine Bewertungsskala, inwieweit du sein willst, wie du sein sollst! Bei größeren Diskrepanzen, ist es an der Zeit, die Skala anzupassen. Du möchtest gar keine Karriere machen (will ich), obwohl etwas in dir sagt, dass du ohne Karriere nichts wert bist (soll ich)? Du möchtest gar keine Sportskanone sein (will ich), obwohl dich innerlich etwas dazu antreibt (soll ich).

Dann gilt es, diese Unterschiede zu identifizieren und die eigenen Kriterien zu verändern. Ziel ist es, deine Gedanken und Gefühle deines "Wie soll ich sein" möglichst nah an deinem "So will ich sein" anzupassen. 

 

Die Arbeit an der eigenen Bewertungsskala braucht Zeit. Wir können uns nicht in eins, zwei Tagen gänzlich von unserem Bewertungssystem verabschieden, das wir jahrzehntelang kultiviert haben. Doch es lohnt sich diesen Weg zu gehen, denn am Ende winkt ein starkes Selbst!

 

Herzliche Grüße

Nadja Hohler

Coach für ein starkes Selbst

 

 

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