Warum sind wir manchmal so verletzlich?

Kennst du die Situation, in denen nur ein Satz der Kollegin, des Nachbarn oder des Lebensgefährten dich völlig aus der Balance bringt?

 

Beispiel: Nehmen wir mal an, deine Kollegin sagt dir, dass sie deine Präsentation für den Kunden unübersichtlich findet oder optisch nicht ansprechend. Das ist ihre Meinung und du könntest deine Präsentation einfach nochmal überprüfen. Falls du ihre Meinung teilst, überarbeitest du die Präsentation, ansonsten lässt du es. Das wäre eine angemessene Reaktion eines Erwachsenen mit einem stabilen Selbstwertgefühl. 

 

Fühlst du dich stattdessen angegriffen und verletzt, dann hast du sehr wahrscheinlich in der Kindheit eine vergleichbare Situation erlebt, die dich verletzt hat. Durch den Satz der Kollegin wird die Erinnerung an diesen Schmerz getriggert und damit befindest du dich in deinem Kind-Ich. Dein Gefühl entspricht dem, das du hattest, als Papa dich für deine schlechte Note gerügt hat oder als Mama dein liebevoll gemaltes Bild anschaute und nur sagte, dass es gar keine blauen Wolken gibt.

 

(Das Kind-Ich  - oft auch: inneres Kind genannt - ist der Teil in uns, in dem unsere Gefühle, Erfahrungen und Erinnerungen unserer Kindheit gespeichert sind.)

 

Aber natürlich funktioniert das auch umgekehrt und wir lösen mit unseren Worten bei anderen Menschen Emotionen oder Erinnerungen aus, die in deren Kindheit zu verorten sind. So kann ein in unseren Augen völlig harmloser Satz bei unserem Gegenüber zu einer Reaktion führen, die wir als völlig unangemessen empfinden.

 

Noch ein Beispiel: Nehmen wir ein Paar, Paula und David. Paula sagt zu David: "Ich habe gesehen, im Keller brennt Licht." Sie möchte klären, wer nun in den Keller geht und es ausschaltet. Aber dazu kommt sie gar nicht. Denn da David früher von seinen Eltern oft ermahnt wurde, das Licht auszuschalten, triggert dieser Satz unbewusst die Erfahrungen der Kindheit. Er fühlt sich angegriffen, interpretiert die Aussage als Vorwurf und antwortet patzig: "Ich war heute nicht im Keller, das musst du gewesen sein." 

 

Wie ist es bei dir? Fühlst du dich häufig angegriffen und verletzt? Dann ist es sinnvoll, mit dem Kind-Ich zu arbeiten. Alte Verletzungen müssen gewürdigt und angenommen werden, damit sie heilen können. Die erinnerten Situationen können bei Bedarf betrachtet und neu bewertet werden, so dass sie keine negativen Auswirkungen mehr auf dein Selbstwertgefühl haben.  

 

Übung: Als ersten Schritt könntest du dir Situationen ins Gedächtnis rufen, in denen du dich angegriffen oder verletzt fühltest. Spüre in dich hinein, ob du dieses Gefühl, diese Situation aus deiner Kindheit kennst. Würdige den Schmerz, den du damals gefühlt hast. Dazu kannst du dir einen ruhigen Platz suchen, die Augen schließen und dir innerlich sagen, was du damals gefühlt hast, was du in diesem Moment gebraucht hättest. Der Satz sollte sich nur auf dich und deine Gefühle beziehen und keine Schuldzuweisungen beinhalten. Z. B.: "Ich war sehr traurig, dass Mama mein Bild nicht gelobt, sondern nur die blauen Wolken bemerkt hat. Ich hätte eine Umarmung von ihr gebraucht." Wenn du magst, kannst du deinem Kind-Ich in Gedanken diese Umarmung jetzt geben. 

 

Vielleicht musst du diese Übung mehrmals machen, bis der Schmerz aus deiner Kindheit geheilt ist. Du wirst es spüren, wenn es soweit ist und dann können dich ähnliche Situationen nicht mehr aus der Ruhe bringen. 

 

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Nadja Hohler

Coaching & Mentaltraining

für einen starken Selbstwert

 

PS: Wenn du über neue Artikel in meinem Blog informiert werden möchtest, klicke in der Fußleiste auf den RSS Feed (ggfs. musst du RSS Feed vorher auf deinem Browser einrichten)!

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0